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Das kleine Autoservice 1×1

Heute: Bremsen

Die Panik stand Harald Becker im Gesicht. Als er die Geschwindigkeit
seines SUV herunterbremsen wollte, gab das Fußpedal mit leichtem
Flattern immer weiter nach. Bremswirkung: fast null. Der selbstständige
Berater kam auf dem Seitenstreifen glücklicherweise mit dem Schrecken
davon. Das Rätsel für den kurzen Horrortrip löste sich bei dem
folgenden Zwangsaufenthalt in einer nahen Kfz-Meisterwerkstatt. Die
Bremsbacken saßen fest. Folge: Durch das ständige Schleifen der Beläge
auf den Bremsscheiben hatte sich die Bremsflüssigkeit so stark erhitzt,
dass diese ihre hydraulische Funktion nicht mehr erfüllen konnte. Für
den viel beschäftigten H. Becker war dies die bittere Quittung
nachlässiger Fahrzeugwartung.

bremsen“Sicher
funktionierende Bremsen sind eine Lebensversicherung”, sagt denn auch
Hannes Koch, Serviceleiter im Autohaus Höss, und rät zu einem
regelmäßigen Check der Bremsanlage in einem Kfz-Innungsbetrieb. Dieser
Ratschlag gelte insbesondere für den Winter. Denn die jahreszeitliche
Kälte sowie Salz und Streugranulat auf den Straßen setzten dem Wind und
Wetter ausgesetzten Bremssystem arg zu.
“Eine Sichtprüfung in der Werkstatt schützt deshalb vor teuren Schäden
und sollte, unabhängig von den Inspektionen, zumindest einmal pro Jahr
erfolgen. Dabei werden zum einen Zustand und Abrieb von Belägen und
Bremsscheiben beziehungsweise Bremstrommeln geprüft, denn wenn diese
abgenutzt sind, lässt auch die Bremskraft merklich nach – mit allen
Konsequenzen für die Sicherheit.

Zum anderen wird bei den Kontrollarbeiten auch die Freigängigkeit der
Bremszylinder geprüft. Eine mangelnde Funktion dieser Teile kann
schwerwiegende Funktionsstörungen nach sich ziehen. Ein Test auf dem
Bremsenprüfstand bringt zudem Klarheit, ob die Technik beim abrupten
Abbremsen aus hohen Geschwindigkeiten ohne Probleme arbeitet und die
Bremse nicht möglicherweise einseitig zieht.

Zu einem fachmännischen Bremsencheck gehört selbstverständlich auch,
das System auf Korrosionsbildung und Undichtigkeiten zu prüfen. Denn
Schläuche werden im Laufe der Zeit porös. Beulen und Risse sind die
Folge. Und Bremsleitungen sind nicht vor Rostfraß geschützt. Natürlich
hängt dieser Alterungsprozess von der Pflege des Autos ab.”

Dennoch empfiehlt Kfz-Experte Joachim Höss auf Nummer sicher zu gehen
und speziell die Bremsschläuche in einem Meisterbetrieb der Kfz-Innung
jährlich prüfen und notfalls erneuern zu lassen.

Weit geringer ist hingegen die Haltbarkeit der Bremsflüssigkeit. “Alle
zwei Jahre sollte diese gegen neue ausgetauscht und dabei die
Bremsanlage durchgespült, also von Schmutz wie etwa Abriebpartikeln
gereinigt werden”, so Joachim Höss. Ein rechtzeitiger Wechsel ist
deshalb wichtig, weil das gelblich gefärbte Bremsöl hygroskopisch ist.
Sprich: Es absorbiert die Feuchtigkeit aus der Luft und verliert
dadurch seine Hitzebeständigkeit. Hohe Bremstemperaturen etwa bei
Bergfahrten können das in der Bremsflüssigkeit eingeschlossene Wasser
zum Kochen bringen und damit die Wirkung der Bremse gegen null
schrumpfen lassen.